Grüne Mobilität in Esslingen - Wie soll das gehen?

von links nach rechts sehen Sie: Andrea Lindlohr MdL, Jürgen Menzel, Prof. Dr. Martin Haag, Prof. Dr. André Reichel, Andreas Fritz
v.l.n.r: Andrea Lindlohr MdL, Jürgen Menzel, Prof. Dr. Martin Haag, Prof. Dr. André Reichel, Andreas Fritz

Freiburgs Baubürgermeister Prof. Dr. Martin Haag, der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen in der Regionalversammlung Prof. Dr. André Reichel und Stadt- und Kreisrat Jürgen Menzel diskutierten am 6. Juni über eine innovative grüne Verkehrspolitik in Esslingen. Trotz schönsten Sommerwetters kamen rund 60 neugierige Bürgerinnen und Bürger ins Alte Rathaus. Moderiert wurde die Veranstaltung von der Esslinger Landtagsabgeordneten Andrea Lindlohr.

„Eine der wichtigsten Fragen für uns Grüne in Esslingen ist, wie wir den Konflikt zwischen wirtschaftlichem Erfolg und dem damit einhergehenden höheren Verkehrsaufkommen lösen können“, so Andreas Fritz, Ortsvorstand der Esslinger Grünen. „Mit der Veranstaltung wollen wir zeigen, welche Lösungen wir Grünen hier sehen und in den Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern gehen.“

Für Haag, Baubürgermeister in einer ähnlich erfolgreichen Region, war klar, dass man die Angebotsseite stärken müsse. Die Menschen müssten erkennen, dass sie mit dem Nahverkehr, dem Rad oder zu Fuß genauso gut und flexibel mobil sein können wie mit dem Auto. Die positiven Erfahrungen und die höhere Lebensqualität setze eine Positivspirale in Gang, die dazu führe, dass Bürgerinnen und Bürger noch mehr Rad- und Gehwege sowie Bus- und Bahnverbindungen forderten. Dem Auto stehe weiter ein Platz in der Stadtgesellschaft zu, allerdings müssten Kommunen bisher dem PKW-Verkehr gewidmete Flächen aufgrund des generellen Flächenmangels verstärkt für andere Mobilitätsformen nutzen. Dabei sei ein behutsames Vorgehen nötig, um das Gefühl von Gängelung zu vermeiden.

Menzel warnte, die Zeit vor dem drohenden Verkehrschaos in der Stadt, das durch die in den kommenden Jahren anstehende Brückensanierung bestünde, nicht zu nutzen: „Wichtig ist, dass die Stadt nun endlich aktiv wird, um die Mobilität ohne Auto zu fördern“. Aus diesem Grund habe die grüne Fraktion im Gemeinderat bereits 2016 ein Mobilitätskonzept von der Stadtverwaltung gefordert. „Wichtig ist für uns Grüne, dass sichere und barrierefreie Fußgängerwege gebaut werden, dass das Busliniennetz durch höhere Taktung und weitere Linien verbessert wird und car- und Radsharing-Angebote angesiedelt werden. Insbesondere muss auch der Radverkehr verbessert werden. Konkret fordern wir die nur in Bruchstücken vorhandene Tallängsachse endlich fertigzustellen. Die vielen Gefahrenpunkte laden immer noch zu wenig zum Radfahren ein. Dazu gehört eine sichere Befahrung der Kieskreuzung genauso wie eine sinnvolle Anbindung des Esslinger Nordens, etwa über die Berliner Straße. Dazu muss dort der Verkehr reduziert werden – wie das der Gemeinderat mal beschlossen hat. Wenn wir heute nicht die Angebote beim öffentlichen, dem Fußgänger- und dem Radverkehr verbessern, dann bleiben während der Brückensanierungen in einigen Jahren alle Autofahrer in der Innenstadt stecken. Dann bleibt dem Gemeinderat nichts anderes übrig als über Zufahrtsbeschränkungen nachzudenken, um die wichtigsten Autoverkehre noch ermöglichen zu können.“

André Reichel verdeutlichte die Wichtigkeit der Regionalversammlung in Verkehrsfragen. Hier seien mit dem stetigen Ausbau der S-Bahnen-Linien und einer anstehenden Takt-Erhöhung im Betrieb wichtige Schritte auf den Weg gebracht. Außerdem sei die Tarifzonenreform des VVS ein großer Erfolg, von dem alle Bürgerinnen und Bürger der Region profitieren würden. Für die kommenden Jahre sei es sehr wichtig, die prosperierende Filderebene besser an das Neckartal anzubieten, beispielsweise über die Stadtbahn Ostfildern – Esslingen oder über eine Verlängerung der S-Bahn ins Neckartal.

Das Publikum interessierte sich unter anderem für Sicherheit und gegenseitige Rücksichtnahme im Straßenverkehr. Menzel betonte in diesem Zusammenhang die Anträge der Grünen für eine bessere Markierung auf der Hindenburgstraße. Auch das Thema gute Anbindung neuer Wohngebiete an den Nahverkehr kam auf. Haag empfahl, dass man hier die neue Gesetzeslage nutzen und statt PKW-Stellplätzen Radabstellplätze und ein Mobilitätskonzept vom Bauträger einfordern könne.

Dicke Bretter seien in der Verkehrspolitik immer zu bohren, so Fritz zum Abschluss. Das Beispiel Freiburg zeige aber, dass eine moderne, weniger „autolastige“ Mobilität gelingen könne, und Esslingen mit seiner schönen Altstadt dadurch noch lebenswerter werde.