Die Sperrung der Adenauerbrücke ist für die Bürgerinnen und Bürger in Esslingen und der Region eine enorme Belastung. Gerade deshalb helfen weder Schnellschüsse noch parteipolitische Schuldzuweisungen.
Die Sperrung ist eine fachliche Sicherheitsentscheidung. Neue Untersuchungen haben ergeben, dass die Brücke nicht länger sicher betrieben werden kann. Zuvor war auf Grundlage regelmäßiger Prüfungen davon ausgegangen worden, dass sie noch etwa zehn Jahre genutzt werden könnte. Niemand kann verantworten, eine unsichere Brücke offenzuhalten.
Politische Verantwortung tragen wir dafür, wie wir mit unserer Infrastruktur umgehen, wie und wie schnell wir nun handeln. Den jahrzehntelangen Sanierungsstau bei Brücken, Straßen und Schienen aufzulösen, ist eine gesamtstaatliche Aufgabe. Im Fall der Adenauerbrücke werden wir Hilfe von Land und Bund benötigen, um die finanzielle Last zu stemmen.
Die aktuelle Situation, in der Esslingens wichtigste Brücke droht, auf Jahre auszufallen, zeigt, wie wichtig ein vielfältiges Verkehrssystem ist. Leistungsfähige Busverbindungen, sichere Radwege, verlässliche Bahnangebote und eine gute Verkehrslenkung schaffen Ausweichmöglichkeiten und machen unsere Stadt widerstandsfähiger. Verantwortungsvolle Verkehrspolitik bedeutet daher auch, Alternativen zum Auto auszubauen.
Konkret muss es jetzt darum gehen, die Folgen der Sperrung möglichst gering zu halten, den ÖPNV zu stärken, den Verkehr klug zu lenken und den Ersatzneubau so schnell wie rechtlich und technisch möglich voranzutreiben.
Die entscheidende Frage lautet für uns daher nicht: Wer ist schuld? Sondern: Wer übernimmt jetzt Verantwortung? Darauf sollten wir gemeinsam eine konkrete Antwort geben.