In ihrer Lesung aus dem autobiografischen Buch "WIR. Geschichten aus dem Alltag mit behinderten Kindern" und im Gespräch mit der Landtagsabgeordneten Andrea Lindlohr und den Gästen gab Anna Mendel offene und bewegende Einblicke in ihren Alltag als pflegende Mutter. „Es braucht viel Mut, darüber zu sprechen, dass mein Kind eine Behinderung hat und anders ist“, sagte Anna Mendel. Die Lesung fand als Veranstaltung des Grünen Ortsverbands im Rahmen der Esslinger Frauenwochen statt.
Besonders Frauen, die behinderte Kinder pflegen, bleiben oft unsichtbar, da die Rund-um-die-Uhr-Pflege ein selbstbestimmtes Leben stark einschränkt. So entsteht eine unsichtbare Barriere zwischen betroffenen Familien und der Mehrheitsgesellschaft. Nahezu alle Familien mit behinderten Kindern erleben Diskriminierung auf struktureller, institutioneller und individueller Ebene. Mendel macht diese Ungleichheit sichtbar, um Solidarität zu stärken. In ihrer eigenen Erfahrung und im Zuspruch ihrer Arbeit wird das mehr als deutlich.
Andrea Lindlohr, selbst pflegende Mutter, betont: „Jedes Mitdenken zählt. Das kann die einfache Frage sein: Was können wir tun, damit dein Kind mit Behinderung zum Kindergeburtstag kommen kann?“ Lindlohr weiter: „Natürlich ist das Private auch politisch, und wir wissen, dass Familien mit Kindern mit Behinderung einen besseren institutionellen Rahmen und verlässliche Unterstützung brauchen. Damit alle mitmachen können und unsere Gesellschaft zusammenhält.“
Da Menschen mit Behinderung und Eltern von Kindern mit Behinderung oft anders entscheiden, ist Anna Mendel überzeugt: „Wir brauchen sehr viel mehr Repräsentation von Menschen mit Behinderungen an den Entscheidungstischen.“